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PROJEKT: TAU - TROPFEN FÜR KORSIMORO
Adresse: Paroisse S.Paul Korsimoro BP 169 Kaya /Burkina-Faso Afrika Tél +226 40 45 84 13
Videoclips zum runterladen
Oft werde ich gefragt was ich in Afrika alles erlebt hab.
Es ist so viel, dass man das Tagebuch lesen müsste, denn die Begegnungen, die
Reise, die Gespräche und die Zeiten mit Gott haben in mir einen riesigen
Prozess ausgelöst. Vielleicht ist es meine vierte Bekehrung geworden.
Zur Reise kam es weil mein ehemaliger Lehrmeister mich für ein
Aufbau-Projekt in Haiti begeistern konnte, wir wollten bei Pfarrer Schippert
Schreinerarbeiten für seinen Missionsprojekt ausführen. Kurz vor dem Abflug
wurde er angeschossen und bat uns ein andermal zu kommen. So lag es auf der
Hand zum Missionsprojekt zu reisen, welches Br.Benedikt in Natiundj lanciert
hatte. Es kam dann alles etwas anders aber dafür wurde alles noch viel
besser.
Schon bald haben wir alles umgebucht und wir flogen nach Ouagadugu in
Burkina-Faso. Dort wurden wir von Br.Maurice abgeholt. Wir fuhren weit in
die Savanne hinaus, wo er mit nochmals zwei Franziskanern eine kleine
Missionstation übernommen hatte. Br.Maurice begann da für 6 Junge Afrikaner
eine Art Lehre als Schreiner anzubieten. Mir wurde erst dort bewusst, das
wir ja schon seit Jahren einen Teil unserer Spenden für diese Schreinerei
eingesetzt hatten. Diese Weihnacht bezahlten wir ja eine Maschine, welche
Möglich wurde weil sie im Dezember 2005 ans Stromnetz angeschlossen wurden.
Die Maschine war aber noch nicht da, so planten wir zuerst einen Hangar für
die Maschine, es war ein eigenes Erlebnis mit diesen wenigen Materialien
die wir hatten ein grosses Stabiles Dach aufzubauen, welches dann die
Maschine vor Sonne und Regen schützen sollte. Als wir das Dach fertig hatten
organisierte ich einen kleinen „Aufricht- Baum“ und dann wurde ein richtiges
Aufrichtfest gefeiert, wie es bei uns in der Schweiz auf dem Bau üblich ist.
Alte Erinnerungen wurden bei meinem Lehrmeister und mir wach und es tat
allen gut mal richtig zu feiern mit kühlem Bier und vielen guten Speisen, da
sonst in dieser Steppe alles unglaublich arm und karg ist.
Es hat einige Bäume aber sonst ist alles verbrannte Erde und die Menschen
haben wirklich kaum etwas ausser das nackte Leben. Kein Wunder bei einem
Bruttosozialprodukt von 25 Euro…. Ein Ausdruck dieser Armut ist sicher der
nie fertig gemachte sehr kleine „Kirchturm“ ohne Glocke. Oben, wo der
Glockenturm sein sollte, schauen nur die Armierungseisenstäbe heraus… und
neben der Kirche hängt an einem Baum ein Autofelgen, auf welchem die Stunden
vom Klosterkoch und vom Kirchenchor Leiter mit einem Eisenrohr geschlagen
werden.
Die Maschine haben wir dann wirklich auftreiben können. Es war ein sehr
erbärmlicher Anblick, die alte, verstaubte und rostige Maschine, aber wir
putzten ölten und schmierten sie. Zwischendurch gaben wir den Lehrlingen
Unterricht indem wir sie lehrten zu sägen, Stech- und Hobeleisen richtig
scharf zu machen und zeigten, wie man genau anreist und gute
Zapfenverbindungen zustande bringt.
Die jungen Afrikaner waren echt tolle Kerle, sehr arbeitsam. Sie wollten
lernen und hatten wie alle jungen Kerle ihre ganz natürlichen Flausen im
Kopf. Als Otto Vogel ihnen erklärte, dass Schreinerwerkzeuge z.T. wie Frauen
seien, wenn man mit ihnen gut umgehe und sie richtig scharf mache, sie dann
beim Sägen und Hobeln zu singen beginnen. Mit dieser Erklärung hatte er
wirklich die Herzen der Jungs gewonnen. Als sie das erste Mal mit richtig
geschärften Messern arbeiteten, strahlten ihre Augen, denn die Hobelspäne
flogen singend wie Engelslocken auf den Boden.
Die Maschine brachten wir auch zum Laufen, aber leider hatten wir kein
Werkzeug ausser den stumpfen Hobelmesser. Aber sobald ich in der Schweiz
war, konnte ich das Nötigste auftreiben und nach Afrika schicken, so dass
die Maschine bald richtig eingesetzt werden kann.
Dann war ein Treffen in Togo. Wir fuhren mit dem 20 Jahre alten Toyota über
400 Kilometer durch die Savanne von Afrika, es war ein eigenes
Abenteuer...die Pisten und gefährlichen Strasse, die vielen Verkehrsunfälle,
die Pannen usw… Aber wir kamen heil an, ich hab auch immer wieder kräftig
gebetet, da ich immer mal wieder mit Angst konfrontiert war, gerade wenn
plötzlich einige Geissen über die Strasse rannten und Br.Maurice, der
wirklich ein guter Fahrer ist, voll in die Bremsen steigen musste. Als ich
dann die Pneus anschaute und sah, dass wir bereits auf dem Eisenmantel
fuhren, bat ich eindringlich in die nächste Garage zu fahren um neue Pneus
zu Sponsoren… Die Brüder in Afrika sind sicher eher die wohlhabenderen
Leute, aber sie haben auch kaum Geld, um die Autos in einem einiger massen
guten Zustand zu halten. So lies ich auch Baterie, Öl und Keilriemen
wechseln…
Es war eindrücklich die Missionsstation zu filmen, wo Br.Benedikt begonnen
hatte - zu sehen wie alles gut weitergeführt wird. Aber am eindrücklichsten
war die Krankenstation der FMM Schwestern. Was dort geleistet wird ist fast
unglaublich. Ich war auch echt dankbar, dass ich die gute Filmausrüstung vom
Tau-Tv dabei hatte, so konnten wir viele Präventionsfilme zu den Themen
Durchfall, Ernährung, Aids, Familienplanung und richtiger Umgang mit Babys
drehen. Das Problem da sind die vielen verschiedenen Sprachen und so machten
wir etliche Filme in den verschiedenen Landessprachen, welche sie dann in
der Krankenstation den unglaublich vielen Leuten zeigen können. Dank dem
Missionsverein ist das Disponsaire, so wird die Krankenstation genannt, für
afrikanische Verhältnisse recht gut eingerichtet. Auch einen eigenen
Inforaum mit DVD -Player und Fernseher hat es dort, nur haben bis jetzt die
Filme gefehlt. Ich war wohl noch nie so dankbar für die Tau-Tv Ausrüstung.
Die Sonnenfinsternis und der Ausflug zum Wasserloch mit den Flusspferden
gehörten sicher zu den Höhepunkten, aber ebenso meine kleine Bergtour und
das Erlebnis mit einem Wirbelsturm. Ich sah einen Wirbelsturm oder einen
kleinen Tornado auf uns zukommen. Ich rannte ihm entgegen und bin bis ins
Auge gekommen. Es war wirklich speziell im Auge des Wirbelsturms zu stehen.
Drin ist es ganz windstill und alle Blätter, der Staub und die
Konservenbüchsen tanzten wie wild um mich herum. Ich war so berührt, dass
ich zu filmen vergass. Erst als ich wieder draussen war, stellte ich die
Kamera ein und rannte nochmals dem Wirbelsturm nach um zu filmen. Aber der
Sand und der Staub setzte mir und der Kamera kräftig zu… Für viele Afrikaner
ist es unverständlich, dass ich auf die Berge ging, mich über die
Sonnenfinsternis freute, in dem Wasserloch geschwommen bin oder mich in den
Wirbelsturm wagte, denn für sie sind das alles irgendwie geisterbesetzte
Elemente, denen man besser nicht zu nahe kommt.
Die Afrikaner möchten sehr gerne etwas Anschluss an die Moderne Welt und
sind sehr offen für die Hilfe, die angeboten wird. Aber mir wurde bewusst
wie noch nie, dass Hilfe alleine schnell die Menschen verderben kann. In
diesem unglaublichen Vakuum der Armut kann die Aussicht auf Besitz oder
"etwas haben zu können" in den Herzen schnell eine gefährliche Gier
auslösen. So konnten sich die Leute die gesegneten Kreuzchen, die ich aus
Draht machte, bösartig aus den Händen reissen… So wurde ich schnell
vorsichtig mit verteilen, sondern belehrte sie zuerst über die Haltung des
Herzens. Das es darum geht ein Herz voller Liebe zu haben. Jesus sagte:
"gebt, dann wird euch gegeben". Ich erklärte, dass Jesus zuerst die Kleinen
und Hilflosen beschenkt… So können sie es bald akzeptieren, dass jene, die
zuhinterst in der Gesellschaftsordnung sind, etwas bekommen. Es hat ja nie
für alle gereicht. Inzwischen würde ich mich hüten ein soziales Hilfsprojekt
zu unterstützen, welches nicht gleichzeitig den Geist des Evangeliums den
Menschen nahe bringt.
Ich muss sagen, die Brüder in Korsimoro verkörpern im Kleinen eine optimale
Gemeinschaft, die nachhaltige Entwicklung ermöglicht. Br.Maurice bringt den
jungen Männern ein Handwerk bei, Br.Daniel setzt sich für eine Bibliothek
ein, um den Menschen den Zugang zur Bildung zu erleichtern und Br.Raphael,
der Pfarrer, setzt sich ganz besonders für die Evangelisierung ein.
Es tat einfach auch gut zu sehen, wie man als Franziskaner überall in der
Welt ein Stück Heimat in der Brüdergemeinschaft hat, denn wir feiern die
gleichen Rituale und die gleichen Gebete, auch wenn es in verschiedenen
Sprachen ist. Mir wurde aber auch bewusst, wie wichtig Kapellen oder sakrale
Räume wären. Denn das fehlt, die Brüder haben nicht mal eine Kapelle für ihr
gemeinsames Gebet und wünschen sich einen solchen Raum, aber das Geld fehlt
an allen Enden und Ecken… Ich bin mir sicher, dass eine solche Gemeinschaft
sicher bald Geld bekommen wird, ich hab jedenfalls alles was ich konnte
überwiesen.
Vielleicht
würde ihnen mein Buch
"Lied des Lichtes" etwas mehr Freiheit im Umgang mit den Elementen bringen.
Pace e Bene Dein und Euer Br.Benno-Maria